Ein Vergleich der beiden Seilzugangsverbände: FISAT vs IRATA

Zu Beginn einer Industriekletter-Karriere stellt sich die Person die selbe Frage, die auch häufig bei Auftraggebern entsteht: FISAT vs IRATA – Was kommt da raus? Was genau ist der Unterschied und was sind meine persönlichen Vor- und Nachteile? Darf ich mit der FISAT-Zertifizierung nur in Deutschland arbeiten und mit dem IRATA-Zertifikat weltweit? Dies ist ein Vergleich der in einer Kategorisierung der beiden Seilzugangsverbände und in der gesetzlichen Lage enden soll und schlussendlich potenziellen Auftraggebern und Karrierestartern einen kurzen Einblick verschaffen soll. Doch zunächst wird mit einem kurzen geschichtlichen Abriss der beiden Dachverbände begonnen.

FISAT von der Entstehung bis heute

In der DDR erschien in den 80er Jahren eine Technische Regel: wie Seilarbeiten zu funktionieren hätten. In Westdeutschland arrangierte man sich derweil ohne Seilzugangstechnik und versuchte, die Arbeiten mittels Hubsteiger und Gerüstbau abzudecken. Mit der Auflösung der DDR wurden dann über 5 Jahre allerlei Höhenarbeiten inoffiziell ausgeführt, da es weiterhin eine rechtliche Grauzone in der BRD blieb. 1994 kam es dann zum vorzeitigen Aus und die BG machte die Baustellen dicht und untersagte die Industriekletterei. Ein Jahr später verhüllte das Künstlerpärchen Christo und Jeanne-Claude den Reichstag und benötigte dafür Industriekletterer. Da das Projekt gewollt war und am Herzmuskel der deutschen Politik stattfinden sollte, konnte eine Sondergenehmigung erwirkt werden, welche den Grundstein der rechtlichen Legitimation der Seilzugangs- und Positionierungstechnik darstellte. Am 15. Januar 1995 gründete sich der FISAT (Fach- und Interessenverband für seilunterstützte Arbeitsverfahren), mit den ersten 15 Mitgliedern aus den Bereichen: Höhenarbeiten, Bergsport, Höhlenforschung, Höhenrettung, Rigging und Baumpflege. In enger Zusammenarbeit mit der Berufsgenossenschaft entstand dann nach ein paar Jahren das BGI Regelwerk 772 „Abseilverfahren“. Seit jeher versteht sich der FISAT als Interessenvertretung aller Anwender seilunterstützter Arbeitsverfahren. Mit heute ca. 2.800 aktiven Industriekletterern (Stand: Februar 2020) und 187 Mitgliedsbetrieben, ist der FISAT der in Deutschland größte Verband. Er wird von einer vollen und einer halben Stelle vom Standort Leipzig aus betrieben.

IRATA von der Entstehung bis heute

Im Vereinigten Königreich ist die IRATA (Industrial Rope Access Trade Association) in den späten 80er Jahren entstanden. Die britische Öl- und Gasindustrie verlangte ein sicheres Arbeitsverfahren, bei dem ausgebildete Anwender ein redundantes System verwenden konnten, um Unfälle zu minimieren. Redundant, aus dem Lateinischen übersetzt als „überdeutlich“, bedeutet, dass jeder Industriekletterer immer ein unbelastetes und komplett unabhängig aufgebautes Sicherungssystem hat, das im Falle eines Sturzes den Techniker auffängt. Die Technik war somit bereits vor der Entstehung des IRATA vorhanden, wurde von etwaigen Firmen angewandt und musste noch weiterentwickelt werden. Es gründete sich somit der erste gewerbliche Kletterverband. Mit heute circa 50.000 aktiven Industriekletterern und über 400 Mitgliedsunternehmen ist die IRATA der weltweit größte Industriekletterverband. Aktuell liegt der Verband bei circa 15 Festangestellten.

Kategorisierung der beiden Dachverbände

Um beide Verbände bewerten zu können, benötigt es Kriterien anhand derer man überhaupt vergleichen kann. Die hier folgenden gehören unserer Meinung nach zu den relevanten Kriterien, sowohl für FISAT- und IRATA-Industriekletterer als auch potenzielle Auftraggeber.

FISAT vs. IRATA - Ein Vergleich der Industriekletter Verbände

Stand 21.12.20

 

FISAT vs IRATA – der Vergleich IRATA FISAT
Ausbildungszeit pro Level 5 d 5 d (Level 3 in manchen Ausbildungsbetrieben 6 d)
Ausbildungsstufen Level 1 – 3 Level 1 – 3
Notwendige Stunden um das Level 2 zu absolvieren 1000 protokollierte Arbeitsstunden und min. 12 Monate als Level 1 keine Praxis als Level 1 erforderlich, aber die bestandene Prüfung des Level 1
Notwendige Stunden um das Level 3 zu absolvieren 1000 protokollierte Arbeitsstunden und min. 12 Monate als Level 2 250 Arbeitstage als Level 2 (1 d = min. 6h)
Wiederholungsunterweisung (WU)
  • der gesamte Kurs (5d), alle 3 Jahre wiederkehrend*
  • bei nicht bestandener WU: Muss das Level oder ein niedrigeres Level komplett wiederholt werden**
  • 1 d, alle 12 Monate
  • bei nicht bestandener WU: Zurücksetzen auf das vorherige Level; Prüfer hat hier auch mehrere Chancen der Rückstellung
  • WU-Wiederholung möglich
Theoretische Ausbildung
  • der theoretische Fragenkatalog ist (Stand 2020) seit etlichen Jahren nicht aktualisiert worden
  • die Theorie beinhaltet viel britische Rechtsprechung, die in allen anderen Ländern nicht maßgebend ist
  • der theoretische Umfang ist sehr gering (ca. 0,5 d je nach Trainermotivation)
  • die theoretischen Fragen wurden im wiederkehrenden Turnus ergänzt oder verändert und sind dadurch sehr tiefgründig
  • die Theorie ist von Level zu Level klar strukturiert
  • der theoretische Umfang macht mindestens 1/5 der gesamten Ausbildungszeit aus
Praktische Ausbildung
  • 4 Knoten werden geschult, weitere Knoten sind nicht zugelassen (alle im Level 1)
  • Level 1 umfasst: Anlegen der eigenen PSAgA, vollständige Knotenkunde, Aufstiegs- und Abstiegstechniken, Traversieren an horizontalen Strukturen, Rettung aus Abseilgerät
  • Level 2 umfasst: Aufbau und Nutzung horizontaler Seilsysteme, Flaschenzugtechniken, Fortgeschrittene Anschlagsysteme, Rettung aus der Bruststeigklemme, Rettung nach oben, Rettung aus horizontalen Strukturen
  • Level 3 umfasst: Einteilung der (Hu-)Manpower/Leitung der Gruppenrettung, Rettung aus komplexen Situationen, Auswahl der Anschlagpunkte, Inspektion des Equipments
  • 10 Knoten werden hier geschult, weitere Knoten sind nicht zugelassen (alle bis zum Level 2)
  • Level 1 umfasst: Anlegen der eigenen PSAgA, die ersten 7 Knoten, Aufstiegs- und Abstiegstechniken, Seilwechsel (3- und 4-Punkt), Kanteneinstieg, Aufsteigen mit Klemmknoten, Rettung aus Abseilgerät, Rettung aus Bruststeigklemme, Rettung aus Y-Falldämpfer
  • Level 2 umfasst: restliche Knotenkunde, Auf- und Abstiegstechniken über Umstiegsstellen, horizontale Fortbewegung in allen Varianten, erweiterte Rettungtechnik (nach oben, aktiv und passiv aus horizontalen Strukturen), Grundkenntnisse über Flaschenzüge
  • Level 3 umfasst: Vorstieg (Ende 2020 entfernt worden), Aufbau und Rettung aus Schrägseilbahnen, erweiterte Rettungstechniken, erweiterte Flaschenzugtechniken
Kostenfaktor – Ausbildung  (Level 2 & 3 liegen in etwa/oder genau im selben Bereich) Der günstigste, online angebotene IRATA-Level-1-Kurs in Deutschland, liegt bei 1.475,00 € (Netto) pro Teilnehmer. Der kostengünstigste, online angebotene FISAT-Level-1-Kurs, liegt bei 790,00 € (Netto) inkl. Prüfungsgebühr und Mietausrüstung
Kostenfaktor – Wiederholungsunterweisung Alle 3 Jahre muss die gesamte Ausbildung (5d inkl. Prüfung) wiederholt werden.* Die kostengünstigste online angebotene Wiederholungsunterweisung liegt bei 200 € (Netto) ohne Leihausrüstung.
Ausbildungsstätten Deutschlandweit gibt es hier nur noch 3 Ausbildungsstätten die IRATA-Kurse anbieten. Aktuell gibt es 310 weitere Schulungsstätten weltweit, davon befinden sich 124 IRATA-Schulen in Europa und der Rest verteilt sich relativ gleichmäßig auf die weiteren Kontinente. Deutschlandweit gibt es 40 Ausbildungsstätten, die FISAT-Kurse anbieten. Generell gibt es hier aktuell nur zwei weitere Schulen, die außerhalb Deutschlands liegen: je einmal in Österreich und in der Schweiz.
Förderung durch Bundesagentur Aktuell ist das in Deutschland nicht möglich und deshalb an Selbstzahler gerichtet. Sofern die Schule als geprüfter Bildungsträger zertifiziert ist, kann die Förderung finanziert werden.
Kursvorraussetzung in Deutschland Mindestalter 18 Jahre, 2-tägiger Erste-Hilfe-Lehrgang, G41-Höhentauglichkeitsuntersuchung Mindestalter 18 Jahre, 2-tägiger Erste-Hilfe-Lehrgang, G41-Höhentauglichkeitsuntersuchung
Bekanntheit Weltweit bekannt Hauptsächlich deutschlandweite Bekanntheit
Konformität Verbände – deutsches Recht Bis auf die bereits angemerkte Problematik mit der Wiederholungsunterweisung, welche aktuell bearbeitet wird, sind alle seilzugangstechnischen Grundlagen mit dem hiesigen Gesetz konform. Die Berufsgenossenschaft hat in Zusammenarbeit mit dem FISAT, fortlaufend Änderungen, Ergänzungen oder Neuheiten an den Vorschriften vorgenommen. Diese Änderungen waren somit auf den kürzesten Dienstwegen für die FISAT-Richtlinien für Seilzugangs- und Positionierungstechnik (FSR-SZP) änderbar. Sobald eine Änderung in Kraft trat, war der FISAT bereits darauf vorbereitet.

*Die gesetzliche Grundlage wurde hier für Industriekletterer in Deutschland geändert. Seit 2019 müssen alle in Deutschland tätigen Industriekletterer – egal welchen Verbandes – eine jährlich stattfindende Wiederholungsunterweisung absolvieren. In welchem Rahmen das aktuell geschieht und welche Kosten dafür eingeplant werden müssen, ist aktuell noch unklar. Industriekletterer müssen lt. BG einen Tag pro Jahr dafür einplanen.

**IRATA hat dem Assessor (dt.: Prüfer) die Möglichkeit offengehalten, je nach Grund des Nichtbestehens den Industriekletterer in ein niedrigeres Level zurückzusetzen. 60 Tage lang darf die Prüfung ohne Training wiederholt werden, danach muss dann das 4-tägige Training wiederholt werden. Allerdings müssen hierfür noch die 60 Tage Zeit bis zum Ablauf des Zertifikats bestehen.

FISAT vs IRATA: Die Kosten für eine Ausbildung als Industriekletterer

Die Kosten sind das wohl meistgehörteste Kriterium. Gerade unter den FISAT-Industriekletterern ist häufig ein gewisser Frust über die Finanzierung des Verbandes zu vernehmen. So sei die WU oder die Ausbildung immer teurer und die Schulen fordern immer mehr Geld. Die Preise der Ausbildung für Industriekletterer sind – wenn überhaupt – aber nur marginal gestiegen. Nehmen wir mich als Beispiel:

Ich habe im Juli 2011 bei Alpintec in Berlin mein FISAT Level 1 für 900,00 € (Netto, inkl. Leihausrüstung und Prüfungsgebühr) absolviert. Heute 9,5 Jahre später kostet der gleiche Kurs 971,00 € (Netto, inkl. Leihausrüstung und Prüfungsgebühr). Das entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Teuerung von gerade mal 0,87%.

Dieses Zahlenbeispiel zeigt einen guten Querschnitt über die Gesamtheit der Ausbildungsstätten für Industriekletterer.

Viele Industriekletterer sind der Überzeugung -jedenfalls ist das unserer subjektiver Eindruck-, dass sie, wenn das so weiterginge, den Verband wechseln würden. Für genau solche Eindrücke möchte hier ein kleines Rechenbeispiel für eine 10-jährige Industriekletter-Karriere zeigen:

Industriekletterer A:

  • IRATA Level 1 in Jahr 1 für 1.475,00 €
  • IRATA Level 2 in Jahr 3 für 1.475,00 €
  • IRATA Level 3 in Jahr 6 für 1.475,00 €
  • IRATA WU aka IRATA Level 3 nochmal in Jahr 9 für 1.475,00 €
  • Summe nach 10 Jahren: 5.900,00 €

Industriekletterer B:

  • FISAT Level 1 in Jahr 1 für 790 €
  • FISAT Level 2 in Jahr 2 für 800 €
  • FISAT Level 3 in Jahr  3 für 800 €
  • In Jahr 4-10 jeweils 1 Tag WU für 200 €
  • Summe nach 10 Jahren: 3.590 €

In dieser Rechnung hat die Person alle Level bestanden und hat den kostengünstigsten Werdegang verfolgt.

Der IRATA ist nach dieser Rechnung der teurere Verband. Der FISAT hat in seinem Sitz in Leipzig eine volle und eine halbe Stelle. Der IRATA hat mit knapp 15 Festangestellten deutlich höhere Ausgaben, die auch kontinuierlich getätigt werden müssen. Selbstredend ist die Anzahl der Mitglieder auch deutlich größer.

Die theoretische Ausbildung für Industriekletterer

Als FISAT- und IRATA Level 3 Industriekletterer habe ich beide Systeme komplett durchstiegen (oder besser gesagt durchklettert) und erlaube mir deshalb diese riesige Schwäche des IRATA-Systems auch zu bemerken. Die in unserem Kurs angewandte Theorie (egal welchen Levels) war beim IRATA einfach schlecht. Es gab keine PowerPoint, es gab keine vernünftigen Übersetzungen, die Inhalte sind veraltet und die britische Rechtsprechung ist für uns absolut uninteressant. So lassen die Trainer den IRATA-Auszubildenden Industriekletterer ganz nebenbei wissen, welche Fragen denn tatsächlich relevant sind und welche nicht. Die inländische Rechtsprechung interessiert bei der IRATA-Ausbildung nicht – außer man ist in Großbritannien. Das Hängetrauma aka der orthostatische Schock kommt im IRATA gar nicht zur Sprache, während er im FISAT weit und breit besprochen wird. Wie notwendig das Wissen über diesen für Industriekletterer ist, besprechen wir in einem weiteren Blogartikel.

Die Theorie in allen FISAT-Leveln ist deutlich klarer strukturiert und erfordert ein tieferes Verständnis über die Seilzugangstechnik. Sowohl im IRATA als auch im FISAT gibt es Vorgaben bzw. Richtlinien, die den Rahmen der Theorie des jeweiligen Levels umfassen sollen. Selbstredend gibt es in beiden Verbänden auch individuelle Trainingseinheiten – je nach Trainer oder Schule.

Die praktische Ausbildung für Industriekletterer

Der einzigen beiden Minuspunkte, die hier an den IRATA gehen, sind unserer Meinung nach: die Rettungstechnik im Level 1 und die veraltete Knotenkunde bzw. das konservative Rigging. Als großer Pluspunkt gegenüber den FISAT-Auszubildenen, sollte hier noch das Erlernen des Traversierens benannt werden. Die IRATA Level 1 Industriekletterer sind im Level 1 bereits fähig unter horizontalen Strukturen zu traversieren. Ein Industriekletterer mit FISAT Level 1 beherrscht die Rettungen aus der Bruststeigklemme, einem Y-Falldämpfer und dem Abseilgerät. Ein Industriekletterer aus dem IRATA kann nur aus dem Abseilgerät retten. Was soll ein erfahrener Level 3 Industriekletterer mit einem Level 1 Seilzugangstechniker, der nur aus einem Abseilgerät retten kann? Nichts. Genau: Er benötigt noch einen Level 2 dazu. Was ist nun aber, wenn der Level 1 gern ein Upgrade zum Level 2 genießen möchte? AAAAhhh ja: Geht nicht, denn zuerst müssen die 1000 h als Level 1 absolviert werden. Die wenigen Knoten die beim IRATA geschult werden, erlauben im Vergleich zu den im FISAT zertifizierten Knoten, ein beschränkteres Rigging. Hier wird an vergangenen Berechnungen festgehalten, die seit Entstehung nicht verbessert wurden.

Zwar gibt es vereinzelte Systeme, die im IRATA verbessert werden könnten, jedoch ist die Summe aller Levels so anspruchsvoll wie ein Höhenretterkurs. Die IRATA hat für Ihre Ausbildungsstätten das Vorhandensein einer 70 kg schweren Rettungspuppe zur Pflicht gemacht und das ist ein großer Vorteil. Bei ungeraden Teilnehmerzahlen, bei wenigen Level 3ern im Kurs oder auch bei intensiven Gruppenrettungen können die Dummies so für lange Rettungsszenarien in der Luft verweilen. Diese Art der Gruppenübungen gibt es bei FISAT-Ausbildungen gar nicht und dadurch fehlt der intensive Parcour. Zwar werden die vereinzelten Übungen im FISAT auch mal miteinander gekoppelt, aber es fehlt die Intensität. Zu höheren Durchfallquoten sorgte in den vergangenen Jahren nicht die Praxis im FISAT sondern die Gefährdungsermittlung. Für viele FISAT Level 3 Industriekletterer scheint die akribische und penible Beschreibung der Gefährdungen, seit den Änderungen der Gefährdungsermittlung um 2013, ein oft unüberwindbares Hindernis zu sein. Die Komplexität der FISAT-Rettungen kann mit denen der IRATA-Übungen nicht mithalten, was unserer Meinung nach in einem direkten Zusammenhang mit dem nicht vorhandenen Durchmischen der verschiedenen Levels und der damit fehlenden Gruppenübungen stehen könnte.

FISAT vs IRATA: Im Kurs per se

Im FISAT gibt es keine gemischten Kurse. Hin und wieder kommt eine Person zu einer Wiederholung mal mit dazu, aber die Level trainieren komplett für sich. Durch diese Einschränkung können die Übungen nicht wie auf der Baustelle ablaufen. Es fehlt der Anspruch. Im IRATA werden die Kurse (wenn sich auch aus allen Levels welche anmelden) gemischt durchgeführt. Dabei muss natürlich darauf geachtet werden, dass die Kurse nicht allzu voll sind und der Trainer dennoch genügend Zeit für alle Industriekletterer vorweisen kann, aber mit etwas Erfahrung gelingt das den meisten.

FISAT vs IRATA: Ausbildungsstätten 

Für die Meisten ist es wichtig an dem einen Tag der WU oder der Woche der Ausbildung nicht Hunderte Kilometer zurücklegen zu müssen. Für FISAT-Industriekletterer sollte die Karte nun mehr recht voll gespickt sein, allerdings gibt es auch hier vereinzelte Regionen, die so schwach mit Höhenarbeitern besäht sind, dass 300 km Anfahrt auch mal in Kauf genommen werden müssen. Die Tendenz der Schulen ist allerdings in den letzen Jahren eher steigend.

Für IRATA-Industriekletterer sieht die Karte um einiges ärmer aus. Es gibt in Deutschland nur noch drei Ausbildungsstätten (Neuwied, Berlin und Bad Soden Salmünster), seit Bornack ihre Türen für IRATA-Schulen geschlossen hat. Nach unserer telefonischen Recherche hieß es, dass es keine Nachfrage mehr gäbe und deshalb das Training voraussichtlich auch nicht mehr aufgenommen werde. Zum heutigen Stand muss man sagen, dass es quasi nur noch zwei Schulen gibt, denn die Ausbildungsstätte in Bad Soden Salmünster hat momentan (21.12.20) keine gültige Registrierung und wartet derzeit auf eine erneute Zulassung im Apri 2021.

Für IRATA-Ausbildungen sei gesagt, dass die Anzahl der Ausbildungen seit wenigen Jahren in Deutschland stagniert. Ein Grund dafür könnte sein, dass in einigen osteuropäischen Ländern Kurse für knapp die Hälfte des Preises angeboten werden können, sodass sich trotz Flug- oder etwaiger anderer Fahrtkosten ein solches Angebot häufig bezahlt macht. Wir gehen davon aus, dass die Anzahl der IRATA-Ausbildungsstätten in den kommenden Jahren weiter sinken könnte und die Anzahl der FISAT-Ausbildungsstätten eher steigen wird.

FISAT vs IRATA: Anerkennung und Konfirmität

Wie genau war das denn nun? Darf ich als IRATA-Industriekletterer auf dem ganzen Planeten rumklettern oder mit FISAT zwangsläufig nur in Deutschland?

„Wie sieht es die Rechtslage im jeweiligen Land vor und was möchte mein Auftraggeber?“ sind die beiden relevanten Fragen. Dass das System vom FISAT nicht vollumfänglich auch den Anforderungen des IRATA genügt, interessiert vielleicht manche Auftraggeber nicht und andersrum gibt es Landesvorschriften, die der Verband befolgen muss. Für die EU gilt hier die Richtlinie 2009/104/EG, welche in den einzelnen Staaten jeweils in das nationale Recht übernommen wurde, welche bei uns dann wiederum der TRBS 2121-3 entspricht. Die FISAT-Ausbildung erfolgt jedoch nicht nur über 2009/104/EG, sondern auch nach den ISO-Standards 22846-1 und 22846-2 für Rope Access. In dieser internationalen Normung sind mittlerweile 165 Länder vertreten, durch welche der FISAT seine rechtliche Internationalisierung erhält und legitimiert wird.

Die zweite Nuss ist oft allerdings etwas schwerer zu knacken, denn ausländische Auftraggeber betreiben oft keinen so großen Rechercheaufwand, um den Freiberuflern mit Auswandergedanken, Work and Travel oder Ähnlichem bei Ihrem Ziel zu unterstützen. Was Sie nicht kennen, ist ihnen deshalb auch oft erstmal fremd. Das kann dazu führen, dass Industriekletterer bei einigen Aufträgen/Anfragen erstmal eine Absage kassieren.

Anders dagegen sieht es beim IRATA aus. Es gibt keinen Kontinent, auf dem die Association nicht vertreten ist. Die IRATA ist nicht nur der weltweit erste Industriekletterverband, sondern auch der Bekannteste und diesen Vorteil bekommen Industriekletterer mit Auswanderungsgedanken schnell zu spüren.

FISAT vs IRATA: Das Resümee

Potenziellen Auftraggebern sei gesagt, dass wir als Firma immer auf beide Verbände abgezielt haben, um der fortwährenden Internationalisierung der Seilzugangs- und Positionierungstechnik Einhalt zu gebieten können und um den Anforderungen aller Jobs Genüge zu tun.

Wenn du dich nun fragst, was für dich der richtige Verband ist, ob du wechseln solltest, deine Karriere in diesem oder jenem Verband starten möchtest, bitte ich dich, dass hier Beschriebene nochmal in aller Ruhe mit einer für dich personalisierten Pro-Kontra-Liste zu verbinden. Die Infos, die du hier gebündelt hast, sollten dich dabei schnell und einfach unterstützen und wenn das Wissen doch etwas tiefgründiger gehen sollte, kannst du gern nochmal die notwendigen Unterlagen vom IRATA und vom FISAT auf unserer Internetseite durchstöbern.